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Warum eine „Weltweite Aktion gegen Armut“?

Täglich sterben allein an den Folgen von Hunger und Unterernährung 24.000 Menschen weltweit. Mehr als 860 Millionen Menschen können nicht lesen und schreiben. In den ärmsten Ländern ist eine Schwangerschaft lebensgefährlich: Eine von 48 Frauen stirbt bei der Entbindung. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jährlich sterben elf Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten.

Zahlen, die erschrecken und doch nur einige wenige der unzähligen Fakten zur Armut sind, die im Jahr 2000 die Regierungschefs dieser Welt bewogen hatten, die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen zu unterzeichnen. Das Ziel: bis 2015 die Anzahl der in extremer Armut lebenden Menschen auf die Hälfte zu senken. Fünf Jahre nach Verabschiedung dieser Erklärung ist es nicht gut um dieses Vorhaben bestellt. Und das, obwohl die Menschheit heute die Mittel hat, die Armut zu beseitigen und damit die Wahrscheinlichkeit von Elend, Tod, Flucht und Krieg weltweit zu verringern.

Besonders in Afrika erscheint die Lage desolat. Wenn das gegenwärtige Tempo beibehalten wird, so wird der afrikanische Kontinent das Ziel der Armutshalbierung nicht im Jahr 2015, sondern erst im Jahr 2147 erreichen.

2005 war ein Schlüsseljahr für die Armutsbekämpfung. Auf EU-Ebene, beim G8-Gipfel in Schottland (Juli 2005), beim UN-Gipfel in New York (September 2005) und der WTO-Ministerkonferenz in Hongkong (Dezember 2005) stand das Thema prominent auf der Tagesordnung. Die Bilanz zeigt: Erste Schritte sind gemacht, aber insgesamt ist viel zu wenig passiert. Den Worten müssen Taten folgen – und zwar schnell. „Deine Stimme gegen Armut“ ist Teil einer internationalen Bewegung, die jetzt den entscheidenden Anstoß geben will. In 82 Ländern kämpfen Menschen mit nationalen Kampagnen für die Idee: Wir können die Generation sein, die für ein Ende der Armut sorgt.

In diesem Jahr stehen beim G8-Gipfel in St. Petersburg Themen auf der Tagesordnung, die auch für Armutsbekämpfung entscheidend sind: Energiesicherheit, Infektionskrankheiten (HIV/Aids) und Bildung werden diskutiert.

„Deine Stimme gegen Armut“ richtet den Blick aber auch schon auf das „Halbzeitjahr“ 2007 – dann hat die Bundesregierung die Gelegenheit, Geschichte zu schreiben: Im ersten Halbjahr hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Im Juni 2007 werden die Staats- und Regierungschefs der G8-Länder in Heiligendamm bei Rostock tagen. Schließlich ist am 07.07.07 Halbzeit auf dem Weg zur Verwirklichung der MDGs bis zum Jahr 2015.

„Deine Stimme gegen Armut“ will durch verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit die Bundesregierung drängen, ihrer Verantwortung nachzukommen. Die Regierungen der Industrieländer stehen in der Pflicht, ihren Teil dafür beizutragen, dass sich die Millenniumsziele verwirklichen lassen: Dazu gehören

    * mehr und bessere Entwicklungszusammenarbeit
    * gerechter Welthandel
    * umfassender Schuldenerlass für die armen Länder
    * gute Regierungsführung

Für den öffentlichen Druck auf die deutsche Regierung sollen die Kräfte gebündelt werden: Viele entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen und Kampagnen haben Aktionen für 2006 geplant. „Deine Stimme gegen Armut“ wird sich nach den drei „White Band Days“ in 2005 auch am diesjährigen weltweiten Aktionstag beteiligen: Dazu wurde der 17. Oktober 2006 ausgewählt, der Internationale Tag der Armutsbekämpfung.